
Nährstoffe, Mineralstoffe und Vitamine
Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine, Aminosäuren und Hefen in der Pferdefütterung: welche Aufgabe sie haben und wann eine Ergänzung im Pferdefutter sinnvoll ist.
Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine, Aminosäuren und Hefen in der Pferdefütterung: welche Aufgabe sie haben und wann eine Ergänzung im Pferdefutter sinnvoll ist.
Auf der Rückseite eines Ergänzungsfuttermittels stehen Zahlenkolonnen: Zink 20.000 mg, Selen 45 mg, Vitamin E 6.000 mg, dazu Kürzel wie 3b607 oder 3a700. Verständlich, dass die meisten Etiketten nur überflogen werden.
Dahinter steckt aber kein Selbstzweck. Jeder dieser Nährstoffe hat eine ziemlich konkrete Aufgabe im Pferd, und wer die kennt, kann Rationen und Ergänzungen viel besser einschätzen. Genau darum geht es hier: einmal von Grund auf erklärt, was Mengenelemente, Spurenelemente, Vitamine, Aminosäuren und Hefen eigentlich machen.
Warum Heu und Kraftfutter oft nicht alles abdecken
Ein Pferd, das ausschließlich Raufutter bekommt, deckt seinen Energie- und Faserbedarf in der Regel gut. Bei den Mikronährstoffen sieht es anders aus, und zwar aus mehreren Gründen:
Der Gehalt an Mineralstoffen und Spurenelementen im Heu hängt am Boden, auf dem es gewachsen ist. In Deutschland gibt es ganze Regionen mit selenarmen Böden, ähnlich sieht es bei Zink und Kupfer aus. Dazu kommt der Erntezeitpunkt: Spät geschnittenes Heu hat mehr Rohfaser, aber weniger Nährstoffdichte. Und Lagerung kostet zusätzlich, vor allem Vitamine reagieren empfindlich auf Licht und Zeit. Vitamin E ist nach längerer Lagerung deutlich reduziert.
Hinzu kommt der Bedarf selbst. Ein Sportpferd, eine tragende Stute, ein wachsendes Fohlen oder ein Pferd nach einem stressigen Transport haben andere Ansprüche als ein Freizeitpferd mit zwei Ausritten pro Woche.
Deshalb geht es bei Ergänzungsfuttermitteln nicht um „mehr ist besser‟, sondern um das Schließen von Lücken.
Mengenelemente: die Bausteine in Gramm
Mengenelemente braucht das Pferd in relativ großen Mengen, angegeben in Gramm pro Tag.
Calcium und Phosphor bilden zusammen die mineralische Substanz von Knochen und Zähnen. Entscheidend ist hier nicht nur die Menge, sondern das Verhältnis der beiden zueinander. Ein Übermaß an Phosphor kann die Calciumaufnahme beeinträchtigen. Getreide liefert viel Phosphor, Heu und besonders Luzerne viel Calcium, weshalb sich das Verhältnis mit der Ration verschiebt.
Magnesium ist an der Muskelfunktion und an der Reizweiterleitung im Nervensystem beteiligt. Bei Pferden, die nervös oder verspannt wirken, wird es häufig als Erstes ergänzt.
Natrium und Chlorid, gemeinsam als Kochsalz, gehen über den Schweiß verloren. Pferdeschweiß ist salziger als menschlicher, und ein Leckstein deckt den Bedarf nur, wenn das Pferd ihn tatsächlich nutzt.
Kalium kommt in Raufutter reichlich vor. Hier entsteht selten eine Lücke, außer bei starkem Schwitzen.
Spurenelemente: kleine Mengen, große Wirkung
Spurenelemente werden in Milligramm gerechnet, teils in Mikrogramm. Die Mengen sind winzig, die Funktionen nicht.
Zink ist an über hundert Enzymen beteiligt und spielt eine Rolle bei Haut, Fell, Hufhorn und Immunfunktion. Es gehört zu den Spurenelementen, die in deutschem Grundfutter am häufigsten knapp sind.
Kupfer wirkt bei der Bildung von Bindegewebe und Pigmenten mit. Zink und Kupfer stehen bei der Aufnahme in Konkurrenz, deshalb ist ihr Verhältnis in einem Mineralfutter kein Zufall, sondern Rezepturarbeit.
Mangan ist am Knorpel- und Knochenstoffwechsel beteiligt.
Selen gehört zum antioxidativen Schutzsystem der Zelle und arbeitet dabei mit Vitamin E zusammen. Selen hat eine vergleichsweise enge Spanne zwischen Bedarf und Überversorgung, was es zum Musterbeispiel dafür macht, warum Höchstgehalte auf Etiketten stehen.
Jod wird für die Schilddrüsenhormone gebraucht, Eisen für den Sauerstofftransport im Blut, Kobalt als Bestandteil von Vitamin B12.
Organisch oder anorganisch gebunden?
Ein Punkt, der auf Etiketten leicht untergeht, aber praktisch relevant ist: Spurenelemente können in unterschiedlicher chemischer Form vorliegen. Zinksulfat ist anorganisch, ein Glycin-Zinkchelat organisch gebunden. Organisch gebundene Formen und Selenhefe gelten als besser bioverfügbar, das Pferd kann also mehr davon tatsächlich nutzen. Bei gleicher Angabe auf dem Etikett kommt unterschiedlich viel an.
Vitamine: was das Pferd selbst kann und was nicht
Vitamine teilen sich in zwei Gruppen, und diese Einteilung erklärt viel über ihre Fütterung.
Fettlöslich sind die Vitamine A, D, E und K. Sie brauchen Fett zur Aufnahme, können im Körper gespeichert werden und sind deshalb auch die Gruppe, bei der Überversorgung überhaupt ein Thema ist. Vitamin A entsteht aus Beta-Carotin, das in frischem Gras reichlich steckt und in gelagertem Heu kaum noch. Vitamin D bildet das Pferd über Sonnenlicht auf der Haut, was im deutschen Winter naturgemäß begrenzt funktioniert. Vitamin E schützt die Zellen und ist besonders für den Muskelstoffwechsel relevant.
Wasserlöslich sind die B-Vitamine und Vitamin C. Sie werden kaum gespeichert, Überschüsse scheidet das Pferd aus. Hier kommt eine Besonderheit dazu: Ein gesunder Pferdedarm produziert B-Vitamine über die Mikroorganismen im Dickdarm selbst, und Vitamin C kann das Pferd im Gegensatz zum Menschen ebenfalls selbst herstellen. Das gilt aber nur, solange die Darmflora stabil arbeitet. Bei hoher Belastung, nach Stress oder bei gestörter Verdauung kann eine Zufuhr sinnvoll werden.
Biotin verdient eine eigene Zeile, weil es das mit Abstand bekannteste Vitamin in der Pferdefütterung ist. Es wirkt bei der Bildung von Keratin mit, also dem Baustoff von Hufhorn, Haut und Haar. Was hier oft unterschätzt wird: Hufhorn wächst langsam, ein Erfolg zeigt sich erst nach Monaten.
Aminosäuren: warum Rohprotein allein nichts sagt
„Rohprotein 12 Prozent‟ auf einer Futteranalyse ist eine Mengenangabe, keine Qualitätsangabe. Entscheidend ist, welche Aminosäuren in diesem Protein stecken.
Der Körper baut aus Aminosäuren neues Eiweiß, etwa für Muskulatur, Sehnen oder Enzyme. Fehlt eine einzige davon, stockt der Aufbau, selbst wenn alle anderen im Überschuss vorhanden sind. Man spricht deshalb von der limitierenden Aminosäure. Beim Pferd ist das in der Praxis meist Lysin, gefolgt von Methionin und Threonin.
Das erklärt eine Beobachtung, die viele Halter machen: Ein Pferd bekommt eine proteinreiche Ration und baut trotzdem keine Muskulatur auf. Häufig fehlt nicht die Menge, sondern das passende Aminosäureprofil.
Hefen: kein Nährstoff, sondern Unterstützung für die Darmflora
Hefen sind der Sonderfall in dieser Aufzählung, weil sie nicht selbst als Nährstoff dienen, sondern die Bedingungen im Darm beeinflussen. Und der Darm ist beim Pferd das eigentliche Verdauungszentrum: Im Dickdarm zerlegen Mikroorganismen die Rohfaser aus dem Heu, die das Pferd ohne sie nicht nutzen könnte.
Man unterscheidet zwei Formen. Lebendhefe, meist Saccharomyces cerevisiae, gelangt aktiv in den Darm und kann dort das Milieu für die faserabbauenden Bakterien stabilisieren. Auf dem Etikett steht sie als zootechnischer Zusatzstoff mit einer KBE-Angabe, also koloniebildenden Einheiten. Inaktivierte Hefe und Hefezellwände liefern dagegen Nährstoffe und Strukturen, die als Substrat dienen. Selenhefe ist ein Beispiel für die zweite Gruppe, hier ist die Hefe der Träger für ein organisch gebundenes Spurenelement.
Interessant ist der Zeitpunkt: Hefen kommen typischerweise dann ins Spiel, wenn sich für die Darmflora etwas ändert. Futterwechsel, Weideauftrieb, Transport, Turnier oder eine Wurmkur sind solche Momente.
Elektrolyte: was der Schweiß mitnimmt
Elektrolyte sind keine eigene Nährstoffklasse, sondern die Mineralstoffe, die im Körper als geladene Teilchen vorliegen: vor allem Natrium, Chlorid, Kalium und Magnesium. Sie steuern den Wasserhaushalt und die Muskelfunktion.
Beim Schwitzen gehen genau diese Stoffe verloren, und zwar in erheblicher Menge. Ein intensiv gearbeitetes Pferd kann mehrere Liter Schweiß verlieren. Reines Wasser ersetzt die Flüssigkeit, nicht die Salze. Deshalb ist die Kombination aus Wasser und Elektrolyten nach Belastung sinnvoller als Wasser allein.
Mehr ist nicht besser: warum auf Etiketten Grenzen stehen
Bei Mikronährstoffen gilt keine linear steigende Kurve. Zu wenig ist ein Problem, zu viel ebenfalls, und zwischen beidem liegt bei manchen Nährstoffen wenig Spielraum.
Deshalb finden Sie auf Ergänzungsfuttermitteln Hinweise wie „darf nur bis zu maximal 1 Prozent der Tagesration verfüttert werden‟ und den Zusatz, den Nährstoffeintrag aus anderen Futtermitteln zu berücksichtigen. Der ist wichtiger, als er klingt: Wer ein Mineralfutter, ein Müsli mit Zusätzen und noch ein Spurenelementpräparat kombiniert, addiert Gehalte, die einzeln unauffällig aussehen.
Ebenso relevant sind Wechselwirkungen. Zink und Kupfer konkurrieren um dieselben Aufnahmewege, Calcium beeinflusst die Verwertung anderer Mineralstoffe, Selen arbeitet mit Vitamin E zusammen. Eine Rezeptur ist deshalb mehr als eine Summe von Einzelgehalten.
Praktische Konsequenz: Ergänzen Sie gezielt statt breit, und ziehen Sie bei Verdacht auf eine Unterversorgung Ihre Tierarztpraxis hinzu. Über ein Blutbild und eine Rationsbeurteilung lässt sich die Frage beantworten, welche Lücke wirklich besteht.
Etikett lesen: eine kurze Übersetzungshilfe
Die Kategorien auf der Verpackung sind rechtlich definiert und sagen etwas über Einsatz und Dosierung aus:
- Einzelfuttermittel besteht aus einer Komponente, zum Beispiel Leinöl oder Flohsamenschalen.
- Ergänzungsfuttermittel ergänzt eine Ration gezielt, ist aber nicht als Alleinfutter geeignet.
- Mineralfuttermittel ist ein Ergänzungsfuttermittel mit hohen Mineralstoffgehalten für die Grundversorgung.
- Diät-Ergänzungsfuttermittel ist für einen besonderen Ernährungszweck bestimmt, der auf der Verpackung genannt wird.
Und die drei Blöcke der Kennzeichnung: Zusammensetzung listet die Ausgangserzeugnisse in absteigender Menge. Analytische Bestandteile nennt gemessene Gehalte wie Rohprotein oder Rohfaser. Zusatzstoffe je Kilogramm oder je Liter führt die zugesetzten Vitamine, Spurenelemente, Aminosäuren und Hefen mit ihrer EU-Zulassungsnummer auf, also jene Kürzel wie 3a700 für Vitamin E oder 3b607 für Zink als Glycin-Zinkchelat.
Kurz zusammengefasst
Mineralstoffe bauen und regulieren, Spurenelemente schalten Enzyme, Vitamine steuern Stoffwechselschritte, Aminosäuren liefern die Bausteine für Eiweiß, Hefen halten die Darmflora im Gleichgewicht, Elektrolyte den Wasserhaushalt. Kein Nährstoff wirkt allein, und die Menge ist immer nur die halbe Information. Form, Verhältnis und Bedarf entscheiden mit.
Alle JuloVet Produkte werden mit Tierärzten entwickelt und in Deutschland produziert, geprüft nach GMP+ und QS. Sie erhalten sie ausschließlich über Tierarztpraxen, und zwar aus einem einfachen Grund: Welche Ergänzung zu welchem Pferd passt, lässt sich am besten dort beurteilen, wo Ration, Haltung und Blutbild bekannt sind. Sprechen Sie Ihre Tierarztpraxis auf die JuloVet Produkte an.
FAQ
Welche Nährstoffe braucht ein Pferd täglich?
Neben Energie, Rohfaser und Wasser braucht ein Pferd Mengenelemente wie Calcium, Phosphor, Magnesium, Natrium und Chlorid, Spurenelemente wie Zink, Kupfer, Mangan, Selen und Jod, fettlösliche Vitamine wie A, D und E sowie ausreichend Protein mit einem passenden Aminosäureprofil. Der Bedarf richtet sich nach Gewicht, Alter, Leistung und Zustand.
Was ist der Unterschied zwischen Mengen- und Spurenelementen?
Der Unterschied liegt in der benötigten Menge. Mengenelemente werden in Gramm pro Tag gerechnet, Spurenelemente in Milligramm oder Mikrogramm. Beide sind gleich wichtig, die Spurenelemente wirken vor allem als Bestandteil von Enzymen.
Was bedeutet organisch gebundenes Zink oder Selen?
Organisch gebunden heißt, das Spurenelement ist an einen organischen Träger gekoppelt, etwa an eine Aminosäure als Glycinchelat oder an Hefe im Fall von Selenhefe. Diese Formen gelten als besser bioverfügbar, das Pferd kann also einen größeren Anteil davon verwerten als bei anorganischen Verbindungen wie Zinksulfat.
Wozu sind Hefen im Pferdefutter gut?
Lebende Hefekulturen unterstützen die Darmflora und können die Verdauung stabilisieren, besonders in Umstellungs- und Stressphasen wie Futterwechsel, Transport, Turnier oder Wurmkur. Inaktivierte Hefen dienen zusätzlich als Träger für organisch gebundene Spurenelemente.
Welche Aminosäure ist beim Pferd am wichtigsten?
In der Praxis gilt Lysin als erste limitierende Aminosäure, gefolgt von Methionin und Threonin. Limitierend bedeutet: Fehlt sie, stockt der Eiweißaufbau, auch wenn insgesamt genug Protein in der Ration steckt.
Braucht mein Pferd im Sommer auf der Weide zusätzlich Mineralfutter?
Frisches Gras liefert deutlich mehr Beta-Carotin und Vitamine als gelagertes Heu. Bei Mineralstoffen und Spurenelementen bleibt es dagegen von der Bodenzusammensetzung abhängig, und der Bedarf an Natrium und Chlorid steigt im Sommer durch das Schwitzen sogar. Eine Grundversorgung bleibt daher meist sinnvoll.
Kann man Mineralstoffe beim Pferd überdosieren?
Ja. Bei fettlöslichen Vitaminen und bei einigen Spurenelementen, besonders Selen, ist der Abstand zwischen Bedarf und Überversorgung gering. Deshalb tragen Ergänzungsfuttermittel Höchstanteile für die Tagesration und den Hinweis, den Nährstoffeintrag aus anderen Futtermitteln zu berücksichtigen. Kombinieren Sie mehrere Präparate nur nach Absprache.






